Dr. Ulrich Kissling

Gründer des Pferdeforschungszentrums

Ulrich Kissling wurde am 26. August 1942 geboren. Nach einem Studium der Veterinärmedizin in München arbeitete er als junger Oberarzt in der Pferdeklinik in Zürich. Bei Egon von Neindorff ließ er sich in der klassischen Reiterei ausbilden. Neben dem Pferdesport zählte auch der Motorsport zu seinen Hobbys. 1978 heiratete Dr. Ulrich Kissling Anne Marie Pointet, mit der er vier Kinder bekam. Im gleichen Jahr begann der Aufbau des Pferdeforschungszentrums in Iffezheim, der heutigen Pferdeklinik an der Rennbahn. Zu seinen Spezialgebieten gehörten: Lahmheiten, Sehnen- und Lungenprobleme, Koliken.

Ein Pferdemensch

Der große, kräftige Mann, der Sommer wie Winter Daunenjacke und Rollkragenpullover trug, überzeugte seine Mitmenschen mit Erfahrung und Sachverstand. Gerne sprach er auch Unbequemes aus, da bei ihm das Wohl der Pferde immer im Vordergrund stand: „Es gibt so viele Menschen mit Pferden, aber viel zu wenige Pferdemenschen.“

Entwicklung artgerechten Pferdefutters

In seinen letzten Lebensjahren widmete er sich futterbedingten Krankheiten von Sport- und Freizeitpferden und den Problemen der heutigen Pferdehaltung. Dr. Ulrich Kissling machte es sich zum Ziel, ein möglichst artgerechtes Pferdefutter zu entwickeln. Mit gurbe gelang es ihm, viele Gesundheitsprobleme der Pferde zu beheben. Er verbürgte sich für Reinheit, Qualität und Bekömmlichkeit des von ihm entwickelten Futters. Bis zu seinem Tod am 2. April 2014 kümmerte er sich selbst um die Verbreitung des Pferdefutters.

Die Firma Horse Urfutter führt heute die Futterherstellung und dessen Weiterentwicklung im Sinne von Dr. Ulrich Kissling weiter.

Wie es begann

Ursprung Stone Age Diet

Als um Ostern 2008 ein Friesenhengst mit wiederkehrenden und antibiotikaresistenten Hochfieberattacken und einem unklaren sonografischen Befund der Milz vorgestellt wurde, entschlossen wir uns nach Absprache mit der Besitzerin zu einem klinischen Versuch mit der „stone age diet“ für Pferde. Die Rezeptur für eine „stone age diet” konnte in unseren Augen nur eine Mischung aus ehemaligen Steppengräsern sein: Luzerne, Hanf und Hafer.

Auf dieser Basis sind seither drei Arten entstanden, die als Grund-, Gesundungs- und Kraftfutter unter dem Namen jenes Patienten bekannt geworden sind: gurbe®.

Die Anfänge von gurbe®

Da Hanfmehl damals noch nicht zu bekommen war, jedenfalls nicht für uns, starteten wir mit dem Rest: Rückblickend muss man heute sagen – wir hatten Glück. Die „stone age diet” für Pferde wurde zum Glücksfall und Volltreffer. Nach 100 Tagen nur gurbe® und Wasser war der Hengst geheilt.

Die Einführung von Hanf brachte einen weiteren therapeutischen Fortschritt. Inzwischen kommt er aus Deutschland, bevorzugt aus dem badischen Raum und ist vom Regierungsamt offiziell zugelassen.

Wie das Pferd Verdaut

Ein selektiver Dauerfresser

Von der Verdauung her gesehen ist das Pferd eines der kompliziertesten Haustiere: Zunächst ist es ein Pflanzenfresser, d. h. es kann mit seinem Futter direkt eigentlich gar nichts anfangen. Dieses muss vielmehr durch Kleinstlebewesen im Darm – der sogenannten Darmflora – durch Gärung und Fäulnis für die beim Säugetier übliche enzymatische Aufspaltung vorbereitet werden. Die notwendigen Gär- und Faulkammern liegen beim Pferd nicht wie bei der Kuh vor dem Magen, sondern als Blind- und Grimmdarm gut zwanzig Meter dahinter.

Wer also artgerecht füttern will – so wie Schöpfung und die Evolution dies für das Pferd vorgesehen haben, sollte beim Füttern nicht nur ans Pferd denken, sondern auch an die Verdauungshelfer im Darm!

Entscheidende Verdauungshelfer

Das Pferd ist ursprünglich ein selektiver Dauerfresser. Als reiner Pflanzenfresser benötigt es Hilfe bei der Verdauung von pflanzlichen Faserstoffen. Wer artgerecht füttern will, sollte beim Füttern nicht nur an das Pferd denken, sondern auch an die Verdauungshelfer im Darm.

Neben der enzymatischen Verdauung, die wie beim Menschen hauptsächlich im Dünndarm stattfindet, verfügt das Pferd über die Möglichkeit pflanzliche Faserstoffe in seinem Dickdarm mit Hilfe unzähliger Mikroorganismen in Energie umzuwandeln.

Zunächst beginnt die Verdauung im Maul. Für die Verdauung förderlich ist möglichst viel kaufähiges Raufutter. Gutes Kauen und Einspeicheln führt zu einem gleitfähigen Speisebrei.

Ein wild lebendes Pferd verbringt bis zu 18 h täglich mit der Futteraufnahme. Im Magen wird der Speisebrei vom Magensaft durchsäuert und verlässt diesen dann in den Dünndarm. Das Futter sollte möglichst kurz im Magen verweilen. Je rohfaserreicher das Futter ist, desto besser die Einspeichelung und desto kürzer die Verweildauer im Magen.

Im Dünndarm findet die enzymatische Verdauung durch Verdauungsenzyme aus Darm, Bauchspeicheldrüse und Leber statt. Die so aufgeschlossenen Nährstoffe (Eiweiße, Kohlenhydrate und Fette) gelangen in den Blutkreislauf.
Bis hierhin gelangte Faserstoffe, gelangen nun in den Dickdarm, wo sie von den körpereigenen Mikroorganismen aufgeschlossen werden. Sie liefern z. B. hochverdauliche Fettsäuren und Vitamine, die durch die Darmwand aufgenommen werden und dem Organismus direkt zur Verfügung stehen. Diese Mikroorganismen verlangen nach einem gewissen Rohfasergehalt. Bei Störungen in diesem biologischen Gleichgewicht kommt es schnell zu Gesundheitsstörungen des Pferdes.

Darmflora wichtigster Produzent

Die Darmflora des Dickdarms baute aber das Futter nicht nur ab, sondern auch zu allerlei Neuem zusammen: Vitamine, Spurenelemente, effektive Mikroorganismen, Antibiotika, Antikörper und vieles Nützliche mehr: Das Pferd, insofern auch typisches Steppentier, war ernährungsphysiologisch ziemlich autark. Wie bei Panda- oder Koalabär brauchen die Darmbewohner vom Pferd nur ganz wenige Pflanzensorten: Diesen Vorzug besitzt es heute noch – wenn man es „steppenmäßig” füttert.

Das Natur- und artgemäße Futter

Höchstleistung und einfache Kost

Molekulargenetisch stammen unsere europäischen Gebrauchspferde größtenteils aus der persischen Steppe Al-Kahwir. Vor rund 2.500 Jahren brachten die persischen Eroberer diese Pferde zunächst nach Hellas mit – und die Futtermeister der Perser zugleich auch das passende Gras: Luzerne und Hanf.

Die Pferde der Perser

Als Alexander der Große (356-323 v. Chr.) die Perser nach rund einem Jahrhundert wieder vertrieb und im Alexanderzug (336-323 v. Chr.) bis nach Pakistan verfolgte, waren Pferde und Wüstengräser längst heimisch geworden. Die Reitertruppen von Alexander waren ausnahmslos mit den Steppenpferden beritten – und er selbst war dies mit Bucephalos auch.

Diese Pferde wurden gefüttert mit:

Persischem Gras, Cannabis sativa, Hanf
Persischem Klee, Medicago sativa, Luzerne
Germanischem Korn, Avena sativa, Hafer.

Reduktion auf Luzerne und Hanf

Mit dieser einfachen Kost sind Bucephalos und seine Artgenossen 15.000 km von Mazedonien bis Pakistan marschiert, über Stock und Stein, ohne gepflasterte Straße, ständig im Krieg oder Kampf … Das ginge auch heute noch ohne Spezialfutter – allein mit Luzerne und Hanf.

Die Luzerne trägt dabei eher zur Rohstoffversorgung bei; Hanf hingegen liefert die unerlässlichen Funktionsstoffe: Fasermatten geben der Darmflora Schutz und Halt, verdaute Rohfaservliese regeln als kurzkettige Fettsäuren die Darmmotorik, Rohfaserpfropfen teilen und steuern wie Schieber den Maische-Strom …

Dünndarm-betont statt artgerecht

Das Pferd ist also ein Dickdarm-Fermentierer – und steht als solcher auf alkalische Verhältnisse im Dickdarm. Wenn daher leichtverdauliche Zucker, Mehle und Stärke das Futter dominieren (Müsli), kann es zu Störungen des Immunsystems, des Hormonhaushalts und zu (allgemeinen) Stoffwechselstörungen kommen. Wir haben uns in der Pferdefütterung aktuell verirrt: Wir füttern Pferde nicht mehr artgerecht, sondern dünndarm-betont wie eine Kuh. Die Natur wehrt sich prompt mit allerlei Krankheiten.

Vorbild Steinzeit-Kost

Vor Kurzem fand die Harvard Universität heraus, die Speisekarte von Ötzi sei besonders artgerecht und gesund, weil sich in Sachen Verdauen bei Mensch und Haustier seit damals überhaupt nichts verändert habe – aller „Systemgastronomie“ und Futtertechnologie zum Trotz. „Back to the roots“ sei angesagt – Steinzeit-Kost!

Gesund dank Palöo-Prinzip

Und spätestens als Cordain an Triathleten nachwies, dass eine solche „stone age diet“ auch etwas für körperliche Höchstleistungen sei – und Dr. Paul, wie „moderne Zivilisationskrankheiten“ dem Paläo-Prinzip widersprechen, war klar: Bei nächster Gelegenheit wird es ausprobiert!

Cordain, L. / Friel, J.: Das Paläo-Prinzip. Sportwelt-Verlag Köln 2o13, Paul, S.: Paläo-Power. Beck’sche Reihe 2o13